Lyrik und Poesie
- Herbstgedichte -

Wunderschöne Gedichte zur Herbstzeit

Herbstlyrik - Gedichte zum Herbst

Jede Jahreszeit hat ihre besondere Schönheit und der Herbst ist dabei keine Ausnahme. Die Veränderung der Farben in der Natur von einem satten Grün in alle Arten von Farben wie Gold, Gelb und Rot ist ein spektakuläres Erlebnis. Man kann fast von der feurigen Farbenpracht geblendet werden. Wie kann es sein, dass all diese Schönheit ein Zeichen von Tod und Verfall ist? Mit all dieser Farbenpracht ist eine gewisse Traurigkeit verbunden - die wechselnden Farben kündigen die baldige Ankunft eines langen, kalten Winters an.
Kind im herbstlichen Wald

Herbst
(Heiner Hessel)


Wenn schon der Sommer fast dahin,
die Ernte in der Scheune drin,
wenn sich die Blätter langsam färben,
die Pilze schon im Wald verderben,
wenn Nebel uns am Fahren hindern
und sich die Wärmegrade mindern,
wenn die Kartoffelfeuer riechen,
die Igel sich im Laub verkriechen,
wenn Drachen in den Himmel steigen,
die Tage sich noch schneller neigen,
wenn Vögel vor der Kälte fliehen
und eilig gegen Süden ziehen,
wenn sie sodann in großen Scharen
dort hin zieh'n wo sie immer waren,
wenn Jungfrau bald zur Waage wechselt,
der Bauer seine Rüben häckselt,
wenn Dahlien uns're Gärten schmücken
und Herbstzeitlose uns beglücken,
wenn Mini-Röcke Hosen weichen
und Blätter fallen ohnegleichen,
wenn Gartenparty's längst verklungen,
die Vögel haben ausgesungen,
wenn Winzer in den nächsten Tagen
im Weinberg sich mit Lesen plagen,
wenn Spinnen emsig sich beeilen
Altweiberfäden zu verteilen,
wenn alle Früchte schon im Schober,
dann ist es Herbst und fast Oktober!


Blätter
(Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926)


Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.


Im Herbst
(Reinhard Blohm - Brettin 2002)


Wehmütig den Blick zurück,
Vater Herbst er will nicht warten.
Taumelnd Blätter: Kupferstück,
raschelnd auf Weg und Garten.

Das Haus gebaut, den Vater verloren-
schnell vergangen ist die Zeit.
Nachbars Mädel hat ein Kind geboren,
ein rastlos Pendel: Glück und Leid.

Schwankend Wipfel seufzen, klagen,
ach\' im See das Spiegelbild.
Sehnsucht nach vergangenen Tagen,
badend Kinder laut und wild.

Neue Früchte werden reifen,
verträumt der Angler: Hand am Kinn.
Gegenübers Hand ergreifen -
verborgen oft der Sinn!

Herbstgedanken
(N. Schmidt)


Ach,die bunten Blätter fallen.-
nun der Baum steht nackt und kahl.
Doch er trotzt der Winterkälte-
denn er hat ja keine Wahl.
Muß auf seinem Platze bleiben,
wenn es schneit,bei Sturm und Wind.
Doch er tut es tapfer leiden,
neuer Frühling kommt bestimmt.


Abendrot am See
(Titania, Pseudonym der Kaiserin Elisabeth von Österreich, genannt Sisi)


Es wirft die Sonne vor dem Niedergehen
Noch einen Blick auf die geliebte See:
Nun kann kein menschlich Aug' mehr auf sie sehen.
Es thut die rote Glut ihm dort zu weh:
Und dennoch muss gebannt ich lange stehen
In dieses lodernden Altares Näh'.
Die besten Nachtgebete meiner Seele
Leg' ich hier nieder an Gottes Schwelle.


Dies ist ein Herbsttag ...
(Christian Friedrich Hebbel, 1813-1863)


Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

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Wenn Blätter bunt sich färben
(©Anita Menger 2009)


Wenn Blätter bunt sich färben
und Herbstzeitlosen blüh´n -
die Menschen Pilze sammeln
und Schwalben südwärts zieh´n.

Wenn wir für Ernte danken
und Winde kühler weh´n -
sich Nebel zögernd lichten
dann will das Jahr vergeh´n.

Es zieht mit steifen Schritten
durch Kälte, Schnee und Wind
und kommt nach sanftem Schlummer
zurück als Frühlingskind.


Herbstlied fliegender Blätter
(Heide Kunz-Traubert)


Ihre Verbindungen sind abgerissen durch fehlende Wärme,
losgelassen von Armen,
die sie hielten, einen Sommer lang,
zu schwach geworden, sich an ihnen festzuhalten.
Jetzt haben sie sich abgenabelt, lautlos und endgültig.

Wirbeln in die neue Freiheit, ziellos,
verlieren ihren Lebensraum.
Und sie drehen sich im Melodienrausch
der Herbstsynfonie,
rührend in flatterhafter Hilflosigkeit,
bis zum Schwebezustand vor dem Fall,
wenn die Klänge leiser werden.
Die Gesänge der Schwäne verstummen,
wenn die Bäume Blätter regnen
und ihre Wasserstraßen pflastern.
Ich finde sie auf meinen Wegen in lebloser Zersträuung
und laufe mit müden Füßen
über einen braunen raschelnden Teppich
aus verwelktem Laub.

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Die letzte Rose - versteckte Botschaft
(Heinz Müller)


Im Rosenstrauch hab ich sie noch belassen.
Hoch aufgerichtet überragt sie alles.
Stolz, sich ihrer Schönheit bewusst, den Herbststürmen trotzend,
stand sie da und ich erfreute mich an ihrem Anblick und an ihrem Duft.
Ja, sie duftete noch und ihr sattes Rot strahlte selbst
in der untergehenden Abendsonne jungfräulich schön.
Ich konnte sie für die Vase nicht schneiden,
nein das konnte ich nicht.
Als Sinnbild der Schönheit sollte sie bleiben.
Die Jahreszeit schritt weiter voran und nachts kam der erste Frost.
In der aufgehenden Morgensonne erstrahlte sie noch schöner.
Wie mit hunderten Diamanten geschmückt, stand sie königlich erhaben
im mit leuchtend blinkenden Reifkristallen übersäten Garten da, unberührbar,
zerbrechlich und schön.
Die noch wärmende Sonne stieg höher,
müde senkte sie ihr Haupt und die Blütenblätter fielen, sie entkleidend,
matt und welk zur noch froststarren schattigen Erde.
Schmerzlich musste ich erkennen: Alles Schöne vergeht,
doch ich hatte das Glück,
mich dankbar an meine Schöne noch lange und mit Freude zu erinnern.


Herbstbeginn
(©Anita Menger 2009)


Ein Wispern und Raunen
in Büschen und Bäumen.
Der Wind peitscht die Äste -
jagt Wolken umher.

Schon lassen sich ahnen
die herbstlichen Stürme.
Die Strahlen der Sonne
sie wärmen kaum mehr.

Die Äpfel sie reifen
der Ernte entgegen.
Nicht lange dann sind sie
bereit zum Verzehr.

Ein blattbunter Teppich
liegt uns dann zu Füßen
und Zugvögel rüsten
zum Flug übers Meer.


Verklärter Herbst
(Georg Trakl, 1887-1914)


Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
Das geht in Ruh und Schweigen unter.


Nachsaison
(Heide Kunz-Traubert)


Der Süden hat die Sonneninseln eingefroren.
Traumstrände liegen bloß,
ausgenutzt von nackten Verführungen,
die sich schon lange dort ausgetobt haben.
Aufgebrachte Wellen schlagen gegen verlassene Boote,
Sturmbräute wüten in baufälligen Sandburgen,
schaumgekrönt,
bis sie zusammenbrechen.
Leerlauf auf den Flaniermeilen,
die Promenaden sind durchlässig geworden,
denn die Meerjungfrauen
häuten sich anderswo.

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Spätherbst
(Theodor Fontane)


Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht -
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.


Septembertag
(Christian Morgenstern)


Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallene Gewand der Wahrheit
sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit.


In trauter Verborgenheit
(Wilhelm Busch)


Ade, ihr Sommertage,
Wie seid ihr so schnell enteilt,
Gar mancherlei Lust und Plage
Habt ihr uns zugeteilt.

Wohl war es ein Entzücken,
Zu wandeln im Sonnenschein
Nur die verflixten Mücken
Mischten sich immer darein.

Und wenn wir auf Waldeswegen
Dem Sange der Vögel gelauscht,
Dann kam natürlich ein Regen
Auf uns hernieder gerauscht.

Die lustigen Sänger haben
Nach Süden sich aufgemacht,
Bei Tage krächzen die Raben,
Die Käuze schreien bei Nacht.

Was ist das für ein Gesause!
Es stürmt bereits und schneit.
Da bleiben wir zwei zu Hause
In trauter Verborgenheit.

Kein Wetter kann uns verdrießen.
Mein Liebchen, ich und du,
Wir halten uns warm und schließen
Hübsch feste die Türen zu.


Herbstlich sonnige Tage
(Emanuel Geibel)


Herbstlich sonnige Tage,
mir beschieden zur Lust,
euch mit leiserem Schlage
grüßt die atmende Brust.

O wie waltet die Stunde
nun in seliger Ruh'!
Jede schmerzende Wunde
schließet leise sich zu.

Nur zu rasten, zu lieben,
still an sich selber zu baun,
fühlt sich die Seele getrieben
und mit Liebe zu schaun.

Jedem leisen Verfärben
lausch ich mit stillem Bemühn,
jedem Wachsen und Sterben,
jedem Welken und Blühn.

Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist’s dem Schauenden nur.

Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze
Weltgeheimnis verhüllt.

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Spätherbst
(Betti Fichtl)


Ein Andante moderato
im grauwolkigen Tag
über dem
sterbenden Laub
an den
Strassenbäumen.

Schattet sich
auf dem Zug
der Gesichter
und düstert
die Turbulenz.

Ein tröpfelnder Regen
spurt sich
auf dem
kühlen Asphalt.

Im Marathonlauf
des Jahres.


Herbsthauch
(Friedrich Rückert)


Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug,
Werde der Herbst dir noch tragen!

Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.

Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.


Herbst
(Theodor Fontane)


O du wunderschöner Herbst,
Wie du die Blätter golden färbst,
Deiner reinen Luft so klar und still,
Noch einmal ich mich freuen will.

Ich geh den Wald, den Weiher entlang;
Es schweigt das Leben, es schweigt Gesang,
Ich hemme den Schritt, ich hemme den Lauf
Erinnerungen ziehen herauf.

Erinnerungen sehen mich an,
Haben es wohl auch sonst getan.
Nur eins hält nicht mehr damit Schritt.
Lachende Zukunft geht nicht mehr mit.

Vergangenheit hält mich in ihrem Bann,
Vergangenheit hat mir's angetan;
Den Blick in den Herbst, den hab ich frei,
Den Blick in den Herbst. Aber der Mai?


November
(Roland O. Spewak)


Du wanderst trostlos durch die Zeiten,
und doch stürmst du mit Macht herbei.
Erscheinst aus dunkelgrauen Weiten,
hast Regen, Trauer mit dabei.

Dem Baum entreißt du bunte Blätter,
es hat der Herbst ihm einst geschenkt..
Zur Erde wirfst du Schauerwetter,
dein Nebel über Felder hängt.

Du rüttelst an den Trauersteinen,
die Gräber deckst du zu mit Laub.
Die ist´s egal, wenn Menschen weinen,
nimmst ihre Kränze mit als Raub.

Den Regen treibst du über Felder,
die Tannen beugen sich der Macht.
Der Sturm zerzaust die Tannenwälder,
dein Vetter Tod, im Lande erwacht.

Musst du die Herrschaft übergeben,
ist kahl und öde unser Land
Dezember wird die Macht dir nehmen,
er hat das Zepter in der Hand.


Herbst
(Christian Morgenstern)


Zu Golde ward die Welt;
zu lange traf
der Sonne süßer Strahl
das Blatt, den Zweig.
Nun neig
dich, Welt, hinab

Bald sinkt's von droben dir
in flockigen Geweben
verschleiernd zu -
und bringt dir Ruh,
o Welt,
o dir, zu Gold geliebtes Leben,
Ruh.

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Der Herbst
(Friedrich Hölderlin)


Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen.

Die Zweig' und Äste durch mit frohem Rauschen,
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.


Die wilde Rose
(Luise Aston, 1814-1871)


Da droben auf einsamer Höhe
Die wilde Rose blüht.
Und wer sie von Ferne gesehen,
in heißer Sehnsucht erglüht.
Zu ihr über Felsen und Klüfte
ein kühner Jäger klimmt
Schon ist er in nächster Nähe-
Das Auge in Thränen ihm schwimmt.

Er will sie erfassen und pflücken
da strauchelt jäh sein Fuß,
des Abgrunds finstere Tiefe
Empfängt ihn mit kaltem Kuß.

Dort droben auf einsamer Höhe
Die wilde Rose blüht.
Und wer sie von Ferne gesehen
in heißer Sehnsucht erglüht.

Herbsstimmung
(Bärbel Herfort)


Kühl und grau erwacht der Morgen
weiße Nebelschwaden ziehen übers Land,
der nahe Herbst lässt sich nun erahnen
der Spätsommer reicht ihm schon die Hand.

Von grün zu bunt werden nun die Farben
die Natur erstrahlt in weiter Sicht,
glitzernd wie Tautropfen in der Sonne
wo sich das Morgenlicht drin bricht.

Still liegen nun Äcker, Wald und Wiesen
in denen so Herbstlichen Land,
nun sollte jeder die Ruhe genießen
die man im vergehenden Sommer nicht fand.

Herbstzeit lässt die Drachen steigen
rauhe Stürme brausen übers Land,
die Sonne zeigt sich nun verhalten
der nahende Winter reicht auch ihm die Hand.

Jede Jahreszeit hat ihre Reize
man muss die Natur nur verstehn,
solange die Menschheit sie schütze
bleibt diese Schönheit für uns auch bestehn....


Wein vergoldet jeden Tag
(Bacchus)


Wein vergoldet jeden Tag,
Scheucht hinweg des Daseins Plag,
Macht die Menschen froh und heiter,
Ihren Geist sehr viel gescheiter,
Lässt das Leben schön erscheinen,
Die Gedanken Gutes meinen,
Lässt uns all zu Freunden werden,
Friedlich wird es dann auf Erden.
Wer den Wein so klug genießt,
Freude aus den Sternen liest,
Merkt an seines Herzens Schlag:
Wein vergoldet jeden Tag

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O trübe diese Tage nicht
(Theodor Fontane)


O trübe diese Tage nicht
Sie sind der letzte Sonnenschein;
Wie lange, und es lischt das Licht,
Und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil man's nicht mehr erhoffen mag,
Dass so die Stunde wiederkehrt.

Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süsser Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz -
O sorge, dass uns keine fehlt,
Und gönn uns jede Stunde ganz."


Kartoffellied
(Matthias Claudius, 1740-1815)


Pasteten hin, Pasteten her,
was kümmern uns Pasteten?
Die Kumme hier ist auch nicht leer
und schmeckt so gut als bonne chere
von Fröschen und von Kröten.

Und viel Pastet und Leckerbrot
verdirbt nur Blut und Magen.
Die Köche kochen lauter Not,
sie kochen uns viel eher tot;
Ihr Herren, laßt Euch sagen!

Schön rötlich die Kartoffeln sind
und weiß wie Alabaster!
Sie däun sich lieblich und geschwind
und sind für Mann und Frau und Kind
ein rechtes Magenpflaster.


Herbsttag
(Rainer Maria Rilke, 1875-1926)


Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten reif zu sein
gib Ihnen noch zwei südlichere Tage
dräng sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr
wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird lesen, wachen, lange Briefe schreiben
und wird auf den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Herbstlied
(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874)


Der Frühling hat es angefangen,
Der Sommer hat's vollbracht.
Seht, wie mit seinen roten Wangen
So mancher Apfel lacht!

Es kommt der Herbst mit reicher Gabe,
Er teilt sie fröhlich aus,
Und geht dann, wie am Bettelstabe
Ein armer Mann, nach Haus.

Voll sind die Speicher nun und Gaden,
Dass nichts uns mehr gebricht.
Wir wollen ihn zu Gaste laden,
Er aber will es nicht.

Er will uns ohne Dank erfreuen,
Kommt immer wieder her:
Lasst uns das Gute drum erneuen,
Dann sind wir gut wie er.

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Septembermorgen
(Eduard Mörike)


Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen.

Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,

herbstkräftig die gedämpfte Welt
im warmen Golde fließen.


Herbstgedicht
(Theodor Storm)


Der Nebel steigt, es fällt das Laub.
Schenk ein, den Wein, den holden.
Wir wollen uns den grauen Tag
vergolden, ja vergolden!

Und wimmert auch einmal das Herz,
stoß an uns lass es klingen!
Wir wissen's doch, ein rechtes Herz
ist gar nicht umzubringen.

Wohl ist es Herbst, doch warte nur,
doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
es steht die Welt in Veilchen.


Im Herbst
(Wilhelm Busch)


Der schöne Sommer ging von hinnen,
der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
so manches feines Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
mit kunstgeübten Hinterbein
ganz allerliebste Elfenschleier
als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
dem Winde sie zum leichten Spiel,
die ziehen sanft dahin und schweben
ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
wo Liebe scheu im Anbeginn
und leis verknüpft ein zartes Bändchen
den Schäfer mit der Schäferin.


Erde ...
(Christian Morgenstern)


Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.
Liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde.

Wir haben volle Teller
und voll sind Scheune und Keller,
wir leiden keine Not.

Gesichert ist das Brot,
die Äpfel sind knallrot
und auch der süße Wein
lief rein in Fass hinein.

Die Ernt' ist geborgen,
wir haben keine Sorgen,
drum sei heut Dank gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.
Liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde.

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Im Herbst
(Joseph Freiherr von Eichendorff, 1788 bis 1857)


Der Wald wird falb, die Blätter fallen,
wie öd und still der Raum!
Die Bächlein nur gehen durch die Buchenhallen
lind rauchend wie im Traum,
und Abendglocken schallen
fern von des Waldes Saum.

Was wollt ihr mich so wild verlocken
in dieser Einsamkeit?
Wie in der Heimat klingen diese Glocken
aus stiller Kinderzeit -
ich wende mich erschrocken,
ach, was mich liebt, ist weit!

So brecht hervor nur, alte Lieder,
und brecht das Herz mir ab!
Noch einmal grüß ich aus der Ferne wieder,
was ich nur Liebes hab,
mich aber zieht es nieder
vor Wehmut wie ins Grab.


Im Herbste
(Emanuel Geibel, 1815 bis 1884)


Auf des Gartens Mauerzinne
bebt noch eine einz'ge Ranke:
Also bebt in meinem Sinne
schmerzlich nur noch ein Gedanke.

Kaum vermag ich ihn zu fassen,
aber dennoch von mir lassen
will er, ach, zu keiner Frist;
und so denk ich ihn und trage
alle Nächte, alle Tage
mit mir fort die dumpfe Klage,
daß du mir verloren bist.


Wehmut
(Johann Wolfgang von Goethe, 1749 bis 1832)


Ihr verblühet, süße Rosen,
meine Liebe trug euch nicht;
blühet, ach, dem Hoffnungslosen,
dem der Gram die Seele bricht!

Jener Tage denk ich trauernd,
als ich, Engel, an dir hing,
auf das erste Knöspchen lauernd
früh zu meinem Garten ging.

Alle Blüten, alle Früchte
noch zu deinen Füßen trug,
und vor deinem Angesichte
Hoffnung in dem Herzen schlug.

Ihr verblühet, süße Rosen,
meine Liebe trug euch nicht;
blühet, ach, den Hoffnungslosen,
dem der Gram die Seele bricht!


Herbst
(Detlev von Liliencron)


Astern blühen schon im Garten;
Schwächer trifft der Sonnenpfeil
Blumen, die den Tod erwarten
Durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Heide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
Unbewegt im blauen Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.


Tragödie vom Herbst
(Kristin Mordhorst, 11 Jahre, 2011)


Nun kommt das kalte Wetter,
von den Bäumen fallen Blätter.
Die Mütze bedeckt den Kopf vom Kind,
denn es pfeift grob der Wind.
Ich sehe wie es jagt den schwarzen Raben,
ringsherum die bunten Farben.
Der Junge hält inne, vor ihm ein Hirsch,
stolz wie ein König, doch auf der Pirsch,
ist der Jäger hinter ihm her.
Er begehrt die Trophäe sehr.
Der Herbst in seiner dunklen Wesensart,
zeigt sich im Leben manchmal hart.
Auch wenn wir im Sturme hören sein Heulen,
so steht er fest im Jahr mit den anderen drei Säulen.


HERBSTSTURM
(Barbara Neuhold)


Es begleitet fallende Blätter die verblühende Sonne,
wenn sie Abschied nehmen vom heurigen Lebensast,
in ihrem bunten Kleid legen sie sich zur Rast,
nach dem letzten Tanz im Gezeitenwetter.
Emsig wird gesammelt des treibenden Jahres Ernte,
während der Herbststurm fährt durch alles Geschehen.
Im Blätterwirbel findet oder trennt sich das bereits Entfernte,
es fliegen Wünsche, die man zu früh verlernte,
einzig Bewährtes bleibt in göttlichem Glanz bestehen.
Heißt willkommen das wieder neu Erlernte,
es liegt im Gras wie ein leuchtend roter Apfel, dankbar nimmt man ihn auf in den leeren Korb der Freuden-Pause,
sein Duft erfüllt lieblich das Zuhause,
in dem man nun in Frieden sitzt,
auch wenn das Äußere im Regen und Nebel verschwindet,
so lächelt die innere Gewissheit verschmitzt:
Der Herbststurm bläst zum besinnlichen Rückzug,
in dem sich nur das Rechte mit der Seele verbindet.


Herbsttag
(Betti Fichtl)


Eisgraue Wolkenformationen
breiten sich
über die
feucht schimmernden Dächer.

Im monotonen Takt
wälzen sich
die Autozüge
durch die
nassen Strassen
neben den
Passantenschlangen
im tröpfelnden Regen.

In den Alleen
wiegen
die letzten Blätter sich
wie Glöckchen
an den Zweigen
vor leeren Bänken.

In einem
Wind - Adagio.

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