Rede
des Brautvaters (III)
Liebe Ute, lieber Ralf, liebe Gäste,
zunächst einmal begrüße ich als Brautvater
alle Gäste. Ich danke allen dafür, dass sie sich
die Zeit genommen haben, um mit Ute und Ralf den wohl wichtigsten
Tag ihres Lebens zu feiern.
Und umgekehrt danke ich, auch im Namen aller Anwesenden, Ute
und Ralf dafür, dass sie keine Kosten und Mühen
gescheut und uns zu diesem Freudentag eingeladen haben.
Es
ist nicht zu glauben, unsere kleine Ute heiratet und gründet
eine Familie. Obwohl wir, damit meine ich meine Frau und mich,
uns seit vielen Jahren darüber klar sind und es uns auch
schon länger gewünscht haben, empfinden wir den
heutigen Tag doch als Schnitt.
Es
kommt mir vor wie gestern:
Wie stolz und glücklich waren wir, als Ute das Licht
der Welt erblickte.
Wie sehr quälte uns ihr Geschrei, weil sie Hunger hatte,
denn wir hatten in der Aufregung vergessen, die Milchmenge
zu erhöhen.
Wie schön war es, wenn sie zufrieden gluckste, wenn wir
sie am Bauch kitzelten.
Das erste Wort, der erste Schritt, das strahlende Lachen -
was für Gefühle.
Die Kindergartenzeit, die Grundschule, das Gymnasium - es
gäbe so viel zu erzählen, ich werde mich aber auf
ganz wenige Geschichten beschränken. Geschichten, die
möglicherweise für Ute keine besondere Bedeutung
haben, an die ich aber immer wieder mit großem Vergnügen
zurückdenke.
Das
Kinderfahrrad mit den Stützrädern:
Mit Stützrädern wollte sie nicht fahren - ohne Stützräder
konnte sie nicht fahren und fiel um.
Eine
Eigenschaft, die bei Ute besonders ausgeprägt war:
Egal was wir Erwachsenen machten - "Ute auch machen,
Ute auch machen."
Dann ist da die Geschichte von der fürchterlichen Krankheit,
die ich auf Ute übertragen habe. Ich muss gestehen, es
war nicht zufällig, nein, ich muss leider gestehen, es
geschah in voller Absicht! Außerdem habe ich wohl die
Anlage für diese Krankheit mit meinen Genen an Ute vererbt.
Für
die Mediziner hier im Saal, die jetzt garantiert die Ohren
spitzen, sei die Krankheit kurz benannt: Es war der Bazillus
Karnevalensis.
Ich habe in Abstimmung mit der Klassenlehrerin und dem Direktor
des Gymnasiums einen kleinen Karnevalswagen gebaut, um dann
mit der Schulklasse als xxxxxxxxzwerge im xxxxxxxx Rosenmontagszug
mitzugehen. Dafür haben wir sogar noch einen Pokal bekommen.
Ich hoffe, dass Ute auch heute noch eine gute Erinnerung daran
hat und sie auch weiterhin ein "jeckes Mädschen"
bleibt.
Utes
musikalische Seite begann mit Blockflötenunterricht und
setzte sich mit Klavierstunden und Ballettschule fort. Sie
hat auch eine kurze Zeit mit der Tanzgruppe xxx be xxx getanzt.
Die Liebe zum Tanz begleitet sie auch noch heute.
Die
Liebe zu Pferden und zum reiten ist eingeschlafen - ich weiß
allerdings nicht warum.
Ute
war zwischen 4 und 5 Jahren alt, als wir unser kleines Haus
bezogen und wie das so üblich ist, gibt es in einem Neubau
viel zu tun. Da wurde gehämmert, gesägt, gebohrt,
gedübelt, gestrichen und geklebt. Und Ute war immer dabei.
Ich vermute, dass sie sich dabei sehr viel abgeschaut hat,
denn wenn Handwerker von ihr leben müssten, würden
sie verhungern. Ute macht alles selbst; sägen, bohren,
dübeln, schrauben ist für sie kein Problem. Als
Krönung ihrer Handwerkskunst hat sie sogar einen dreiphasigen
Elektroherd an das Stromnetz angeschlossen - eine Arbeit,
die eigentlich konzessionierten Elektrikern vorbehalten ist.
Außerdem ist sie eine ausgewiesene IKEA-Spezialistin.
Ein
platter Reifen am Auto ist für Ute auch kein Problem,
schließlich wechselt sie regelmäßig Sommer-
und Winterreifen am Auto selbst.
Eigentlich
hätte sie auch ein Ingenieurstudium abschließen
können.
In ihrer Zeit als Handchirurgin dürften ihr ihre handwerklichen
Fähigkeiten sehr geholfen haben, auch wenn es da nicht
Fuchsschwanz sondern Knochensäge heißt.
Ute's
damaliger Mathematiklehrer hat ihr einmal eine sehr negative
Berufsprognose gestellt, was sie ihm bis heute nicht verziehen
hat. Aber wie man sieht, nicht jede Rechnung eines Mathelehrers
geht auf.
Berufsbedingt
hatte ich leider viel zu wenig Zeit um die Entwicklung unserer
Kinder mit zu erleben. Ich bedaure das sehr, hoffe jedoch,
dass ihr beide es besser machen werdet.
Alles
in allem sind wir, meine Frau und ich, sehr stolz auf das,
was Ute aus sich gemacht hat und alles aus eigenem Antrieb,
ohne das wir sie ziehen oder schieben mussten: von der Berufswahl
über das Studium - einschließlich Promotion - ,
der Wahl ihrer Arbeitsstellen und der diversen Wohnungsumzüge.
Auch Ute's kleiner Bruder xxxx ist, wenn man mal von den üblichen
kleinen Reibereien unter Geschwistern absieht, sicher sehr
stolz auf die große Schwester. Und es wäre sehr
schön, wenn das gute Verhältnis auch in Zukunft
so bliebe.
Und
nun kommen wir zu dir, lieber Ralf:
Leider
hat uns Ute nie erzählt, wer von euch der Jäger
und wer der Gejagte war. Diese Frage bleibt leider unbeantwortet.
Sie ist aber auch nicht so wichtig.
Auf jeden Fall möchten wir dich, lieber Ralf, in unserer
Familie herzlich begrüßen. Wir nehmen dich mit
offenen Armen als neuen Sohn auf. Wir sind überzeugt,
dass du der Richtige für unsere Ute bist
und Ute bei dir in guten Händen ist.
Trotzdem bitten wir dich: Sei lieb zu ihr und behandle sie
so, wie du auch von ihr behandelt werden möchtest.
Solltest du einmal einen väterlichen Ratgeber benötigen,
so stehe ich dir gerne zur Verfügung.
Wir
wünschen euch für eure gemeinsame Zukunft Gottes
Segen, das nötige Quäntchen Glück und gegenseitige
Liebe, Vertrauen und Verlässlichkeit. Außerdem
wünschen wir euch noch Erfolg, Zufriedenheit, Gesundheit
und ... Kindersegen.
Ich
möchte nun alle Anwesenden bitten, mit mir gemeinsam
das Glas zu erheben und auf das Brautpaar anzustoßen.
Das
Brautpaar, es lebe Hoch, Hoch, Hoch.
(Eingesendet
und verfasst von Hr. Landbote)
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