Drachenfels
Westerwald,
900 Jahre her mag es wohl sein
nur kurz und tragisch war die Liebe junger Leute:
Griselde und Gernot, daheim am Flusse Rhein.
Der
Ritter Gernot liebt Griselde und begehret ihre Hand,
gleich dem Schlagen der Nachtigall,
erklang, so um sie werbend, sein Minnegesang.
Für
die Heirat prächtig gekleidet sind Griselde und Gernot;
auf stolzen Rossen ziehen sie und vieler Gefolge dahin,
Vater, Mutter sollen ihr Bündnis segnen, froh bar jeder
Not.
"
Liebster, hörst du dieses Rauschen, gleich einem Flügelschlag,
Oh weh' es ist der Legende schrecklich Drache Rinaldi,
vielen Tapferen, gab er schon ein unrühmlich frühes
Grab."
Der
Ritter zog sein Schwert, den Spieß, so tödlich
schwer,
doch Griselde lag schon in des Drachen Fängen;
ihr sanftes Antlitz, golden Haare, sah er niemals mehr!
Funkelnd
glänzt das Tafelsilber auf der Burg des Namens Drachenfels;
zum Manne, schön wie Eros, hat der Drache sich gewandelt,
sein Lächeln bezaubernd wie ein Mann von Welt.
"Griselde,
du bist schön, vereint in Geist und Harmonie,
wohl sieh' des Nachts zum Mensch ich werde,
wenn du mich liebtest, will ich beugen Kopf und Knie!"
"
Lass die Harfe mich jetzt hören, vergangen sind so
vieler Nacht,
Rinaldi, eine lieblich Weise sollst du mir spielen,
bis die Morgensonne uns wärmt und strahlend lacht.
Du
Unhold komm in meine Arme, Einsamkeit lässt vergessen
deiner Trug und List. Wie mag es den Verwandten gehen -
der Natur Sehnsucht mich schwitzend an das Laken presst.
Oh
Mann, wie stark sind dein Leib und deine Arme,
Unendlich Verlangen durchflutet meine Brust
Zärtlichkeit, Gewitter, gefolgt vom erlösend Regenguss!
Du
schenkst mir Gold und Seide, der Frauen Begehr dir wohlbekannt,
doch kann ich es nicht zeigen, des Nachbarn Weibe,
den edlen Smaragden Stein an meiner Hand."
Weh'
mir unselig Weibe, die Schmach ist so groß.
Gab nach deinem Nachten stolzen Schönheit,
doch ewig einsam, dies ist mein Los.
Unser
Kind ein lieblich Knabe oder Mägdelein,
ach du Fluch, am Tag ein garstig Drache,
nur des Nachts kann es mein Kindlein sein!
Die
Burg dort auf dem Fels, romantisch über Waldesdach,
da peitscht ein verzweifelter Schrei Getier und Zweige:
"Warum Griselde, bist du gesprungen, vom Turme in die
Nacht!"
Und
es klingt aus der Tiefe, eine Stimme klar und rein:
"Verzeih' mein Gehen, warum nur waren wir allein -
der Rose Duft mit anderen teilen, doch es konnte nicht so
sein!"
(Reinhard
Blohm - Brettin 2005)
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