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Die
Jubelfeier
Der
Mann bracht' es auf siebzig gar;
Das heißt: Von seinem siebenten Jahr
Hat all sein Wirken von Kind bis jetzt
Nur eine Null ihm zugesetzt.
(Franz
Grillparzer, 1791-1872)
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Weißes
Haar
Weißes
Haar bedeckt dein Haupt.
Was macht es schon und überhaupt -
in deinen Augen liegt ein Strahlen,
du kannst mit deinen Jahren prahlen.
(Anita
Menger)
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Die
Einkehr
Mit
vierzig Jahren soll man sich besinnen ...
Worauf?
Auf das, was außen und was innen
und auf den Lauf
der Sterne, die im kalten Kosmos schweben,
sowie auch darauf:
Wovon mag eigentlich der Bornemann leben ?
Die
Wiese summt und liegt grün eingesponnen
ich mittendrin;
durch die geschlossenen Lider sagen tausend Sonnen,
dass ich lebendig bin.
Schreite die Straße der Einsamkeit empor,
Stimmen hörst du wie nie zuvor ...
aus dem Äther kommen dir Einsicht und Stärke
Laßler platzt vor Neid. Ich werde ihn ärgern, indem
ich es nicht bemerke.
Wolken
ziehn über die Sonne. Es rührt sich kein Blatt.
Stumm
liegt der See; der Weise, der einmal begriffen hat,
fragt nicht: Warum?
Er betrachtet nur noch das Wie; er sieht die Kristalle zergehn,
wenn es geschneit hat
Warum schneidet man sich eigentlich immer die Nägel,
wenn man keine Zeit hat ?
So
schwingst du dich in die obern Regionen
musst aber dennoch hier unten wohnen.
Ein Vers von Morgenstern tanzt querfeldein:
Es zieht einen immer wieder hinein.
(Kurt
Tucholsky, 1890-1935)
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An
meinem 70sten Geburtstage
Vor
fünfundzwanzigtausend und
Fünfhundertfünfzig Tagen stund
Ich ziemlich in Gefahr,
Denn schwer ward ich zur Welt gebracht,
Doch hat's den Eltern Freud' gemacht,
Dass ich ein Büblein war.
Ja
siebzig Jahre sind es schon,
Dass meiner Frau, der Appollon',
Nichts ahnte von dem Glück.*
Wie bitter hat mich nun gemahnt,
Seit ich zum erstenmal gezahnt,
Des Lebens Ungeschick!
Und
doch, obschon ein Siebziger,
Bin ich ein Mensch ein glücklicher:
Kaum einmal war ich krank.
Zwar unberufen sag' ich's nur,
Es denkt mir nicht, dass ich Mixtur
Aus meinem Glase trank.
Vonnöten
hab' ich keine Krück',
Und keine Brille für den Blick,
Ich hör' und schmecke gut;Was schreib' ich eine feste
Hand!
Gottlob es ist mir unbekannt
Das Zipperlein, wie's tut.
Nur
geht es mir wie jedem Greis,
Dass mir die Zähne reihenweis
Ausfallen kreuz und quer;
Doch tröstet mich der Umstand auch
Dass ich jetzt nicht zu beißen brauch'
In saure Äpfel mehr.
Und
wird auch mein Gedächtnis schwach,
Dass ich oft letze Sachen mach',
So weiß ich doch noch scharf,
Zu unterscheiden Bös und Gut,
Und was ein Christenmensch voll Mut
Zur Seligkeit bedarf.
Ja
loben muss ich Gott darum,
Dass er so alt und doch nicht dumm
Mich zeitlich werden lässt.
Ein unzufried'ner Jubilar?
Er wäre ja ganz undankbar
Für ein so selt'nes Fest!
(Ludwig
Eichrodt, 1827-1892)
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Herbsttage
Winkt
der Herbst deines Lebens,
sträub dich nicht vergebens,
lass dich freudig auf ihn ein,
Herbsttage können golden sein.
(Anita
Menger)
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Dem
Fürsten Hardenberg zum siebzigsten Geburtstag
Wer
die Körner wollte zählen,
Die dem Stundenglas entrinnen,
Würde Zeit und Ziel verfehlen,
Solchem Strome nachzusinnen.
Auch
vergehn uns die Gedanken,
Wenn wir in dein Leben schauen,
Freien Geist in Erdeschranken,
Festes Handeln und Vertrauen.
So
entrinnen jeder Stunde
Fügsam glückliche Geschäfte.
Segen dir von Mund zu Munde!
Neuen Mut und frische Kräfte!
(Johann
Wolfgang von Goethe, 1749-1832)
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Zum
70. Geburtstag
Redet
mir nicht von siebzig Jahren,
Redet mir nicht von Kräftesparen,
Der eine vertut's und hat's doch immer,
Der andre spart's und gebraucht's doch nimmer.
Hab
ich die Siebzig nun erklommen,
Und Gott erhält mir in allen Gnaden
Die Lust an seiner Wälder Pfaden,
Den fröhlichen Blick zwischen Licht und Wahn,
Und liebe Menschen zugetan,
Wohlan, so mögen auch achtzig kommen!
(Johann
Georg Fischer, 1816 - 1897)
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Zum
75. Geburtstag
75
Jahre sind vergangen,
seit dein Leben angefangen.
75 Jahre rauf und runter,
75 Jahre gesund und munter,
und zwickt es auch mal irgendwo,
man lebt nicht ohne Risiko.
Ein jedes Jahr hat seinen Sinn,
so wie es kommt, so nimm es hin!
(Johannes
Müller)
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