Lyrik und Poesie
- Geschichten und Erzählungen -

Das Märchen vom verlorenen Röcklein

Teil 7 - Das Märchen vom verlorenen Röcklein -



Teil 7 - Die Königin
sprach die zitternde Stimme des Königskindes, des Kindes, welches über all seinem Glück seine Eltern vergessen hatte: "Könnt ihr mir verzeihen? Seht, ich bin so glücklich!"
Da nahmen der König und die Königin, - ohne Mantel und ohne Krone, ohne allen Tand der Welt, - ihr Kind wieder in die Arme, und sie weinten mit einander im süßen Schmerz des Wiederfindens. Dann traten sie an die Wiege, in welcher klein und rosig ein Mägdlein schlummerte. Die Hand der Königin griff nach dem winzigen Röcklein, auf dessen erstem Linnenband zartrosa Röslein prangten. Stumm schaute sie darauf nieder. Aller Gram wich aus ihrem Herzen, da dass Röcklein ihr sagte von der nimmervergangenen Liebe und Treue ihres Kindes. Und ihr Herz klang auf in dem großen Lied der Erde, das da singt von der ewigen Wiederkehr aller Liebe.
Nach vielen wonnigen Tagen in Sommer und Sonnenschein verbracht, kehrte das Königspaar zurück in sein Schloss. Doch jedes Jahr kamen sie wieder.
Die Truhe jedoch, die im Turmzimmer des Schlosses stand, wurde nie mehr geöffnet. So lebte das Königspaar noch viele Jahre in Frieden, und Schloss und Bauernhof waren von einem Band der Liebe umschlossen. Als der König und die Königin gestorben waren, verödete das Schloss. Nur noch die Fledermäuse wohnten in ihm, und ein alter Kastellan. Die fremden Besucher, die das Schloss zu besichtigen wünschen, führt der Alte durch alle Säle mit ihren blinden Spiegeln über die Treppen und Gänge. Dann erzählte er: "Es waren einmal ein König und eine Königin....."
Das verlorene Röcklein aber, das Mutterherz ersann und Kinderherz zertrat, wird in seinem verschlossenen Schrein liegen bis zum jüngsten Tag. Dann werden die Wogen des Meeres kommen, und die Truhe, die allen Mütter Leid auf dieser Erde trägt, hinabtragen auf den Grund des Meeres. Dort wird sie ruhen bis in alle Ewigkeit.

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