Lyrik und Poesie
- Erzählungen -

Pferde im Moor

Teil 4 - Pferde im Moor -



Teil 4 - Pferde im Moor
welchem er hätte sich näher an seine Tiere heranziehen können. Kalter Schweiß stand auf des Kutschers Stirn, aschgrau war sein Gesicht, bis an die Schultern stak er im Schlamm, die weit ausgestreckte Hand tastend zwischen den Gräsern umhergleiten lassend. Schon fühlte er den Arm, der ihn hielt, erlahmen, da zog er sich mit beiden Armen in letzter Kraft zurück auf das feste Gras, um einen Augenblick erschöpft liegen zu bleiben. Doch schon riss ihn Hektor's Toben, Harras' dumpfes Stöhnen wieder in die Höhe. Der Schwarze hatte sich durch sein wildes Toben bereits tief in den Schlamm eingewühlt, nur sein blanker, schweißnasser Rücken und der wildaufbäumende Kopf waren noch über der Oberfläche. Der braune Harras lag auf der Seite, zur Hälfte scheinbar etwas festen Boden unter sich, furchtbar stöhnend - er musste beim Sturz die Beine gebrochen oder sich schwer verletzt haben. Johann richtete sich auf. Er legte die Hände um den Mund und schrie durch das Schlagen und Spritzen und Stöhnen hinüber zu seinen Tieren: "Ruhe, Hektor, Ruhe!" Wenn der Schwarze so beibleiben würde mit Toben, so würde er in einigen Minuten verschwunden sein. In seiner Aufgeregtheit und Todesangst wühlte er sich immer weiter in den Schlamm hinein. Immer wieder rief Johann zu den Tieren hinüber - doch ohne Erfolg. In rasender Eile zog er sich jetzt die hohen Schaftstiefel aus, warf die dicke Joppe von sich - er musste mit aller Gewalt an seine Pferde herankommen! Vielleicht würde es ihm vom Wegrand aus gelingen, sie soweit heranzuzerren, dass sie auf festem Grund lägen und er dann nach Hilfe laufen könnte. Wieder ließ Johann sich zurücksinken in den kalten Schlamm. Dieses Mal der Länge nach mit den Beinen versuchte er festen Boden unter den Gräsern zu finden - aber wieder vergeblich. Endlich, in letzter Verzweiflung, ließ er den festen Halt los und begann, über das seichte Wasser sich hinwegzuschieben, zu rudern, zu schwimmen --, aber schnell quoll der dicke schwarze Schlamm über seinen Körper, ihn hinabzuziehen in die Tief. Ein einziges, wahnsinniges Zurückschlagen seines Körpers brachte Johann in die Nähe seines festen Hügels, seine Hand krampfte sich in das Gras. Nur noch Kopf und Arme ragten aus dem Schlamm. Er begann zu schreien, zu fluchen, zu brüllen, seine Stimme vermischte sich mit dem Wiehern und Stöhnen der Tiere, ein wildes Chaos grausigster Todesnot. Nur langsam, mit äußerster Kraftanstrengung des erschöpften Körpers, an welchem die nassen, schlammbedeckten Kleider wie Blei hingen, konnte er sich wieder aufs Gras ziehen. Dann hockte er wie tot, unbeweglich und starr, eine unförmige Masse aus Schlamm und abgerissenem Gras, in der ein menschliches Herz seine kurzen stoßenden Schläge tat. Nur in dem verschmierten Gesicht lebten die Augen, weit aufgerissen, das Entsetzen widerspiegelnd, mit dem er hilflos dem Todeskampf seiner Pferde zuschauen musste. Der schwarze Hektor ragte noch mit dem Kopf aus dem Wasser. Weißer Schaum stand um sein verzerrtes Maul, aus dem ununterbrochen langgezogenes helles