Lyrik und Poesie
- Erzählungen -

Pferde im Moor

Teil 2 - Pferde im Moor -



Teil 2 - Pferde im Moor
An einem kühlen Herbstabend kam den breiten Waldweg, der zum Moor führt, in langsamem Schritt ein Gefährt hinab. Ein Jagdwagen war es, mit zwei prachtvollen Pferden bespannt. Der Kutscher auf dem Bock schien eingenickt zu sein, sein Kopf pendelte mit dem Schritt der Pferde mit, sonst saß er unbeweglich fest in seine Decke eingeschlagen. Aber Johann, der alte Kutscher des Oberförsters, war keineswegs eingeschlafen. Er sinnierte nur, wälzte schwere Gedanken, die sich um das Wohl seines Herren drehte, in seinem Schädel herum, ein Zustand, der peinlicherweise bei ihm den Eindruck eines Schlafenden erweckte und oft schon seitens seiner Umgebung zu lustigen Spötteleien Anlass gegeben hatte. Ganz klare, scharfe Gedanken waren es auch nicht mehr die er wälzte, sie waren schon ein bisschen sanft und verschwommen, ohne Härte und Energie, welche sowieso nicht seinem Charakter entsprachen. So ein paar Schnäpse fielen immer für ihn ab bei diesen Dienstvisiten der benachbarten Grünröcke, da war weiter nichts dabei. Da aber zufällig bei dem Nachbarförster einige befreundete Jagdherren angetroffen wurden, so war aus der ursprünglich nur kurz berechneten Dienstbesprechung eine längere, feuchtfröhliche Sitzung geworden, bei welcher dann auch in der Küche die Quanten jeglicher Art für Johann der Länge der Zeit nach etwas reichlicher ausgefallen waren. Betrunken jedoch war Johann nicht, das hätte auch sein ärgster Feind nicht behaupten können - falls er einen solchen besessen hätte - er war nur sehr zufrieden mit sich und der Welt. Sanft und ruhig war alles in ihm, gleich einem Säugling, welcher unbeschwert von Erdenlast lächelnd in seiner Wiege ruht. So ruhte Johann gemächlich auf seinem Sitz, ließ sich sanft schaukeln von den Bewegungen des Wagens und den müden Kopf pendeln mit dem Nicken der Pferde. Diese feuchtfröhliche Sitzung war auch der Grund, dass Johann mit leerem Wagen heimfuhr. Ein Schatten fuhr nun doch über sein Gesicht, als er an die Bestellung dachte, welche er der den Gemahl erwartenden Frau Oberförster ausrichten sollte: "Der Herr Oberförster käme erst später mit dem nachbarlichen Wagen" - Johann kratzte sich mitfühlend und zugleich mit erleichtertem Seufzer den Hinterkopf unter der Mütze, "man god, dat ick nich de Herr Oberförster bün", dachte er befriedigt. Er, Johann, war unbeweibt geblieben. Auf Befragen pflegte er zu antworten "dat em de Fruggenminschen to reparaturbedürftig wieren." So war er alleingeblieben und alles, was sein Herz herzugeben hatte, das gab er seinen Pferden, seinem Dienst und seinem Herrn Oberförster. Die Pferde trotten jetzt gemächlich in den breiten Moorweg ein. Der abendlich dunkle Wald lag hinter ihnen, über dem freien Moor und seinem Weg lag noch matte Helligkeit. Der Kutscher hielt die Zügel lose in den Händen, die Tiere gingen den ihnen bekannten Weg allein. Eine gute halbe Stunde noch, dann würden sie zu