Lyrik und Poesie
- Erzählungen -

Pferde im Moor

Teil 3 - Pferde im Moor -



Teil 3 - Pferde im Moor
Hause sein, denn der Moorweg schnitt eine gute Ecke ab von dem großen Bogen des Hauptweges. Im Schein der Wagenlampen sah Johann die blanken straffe Pferdeschenkel vor sich. Links ging der schwarze Hektor, ein junges Tier noch, nervös und schnellblütig - neben ihm der braune, etwas ältere Harras. Der gleichmäßig Schritt der Pferde - ab und zu ein Schnauben des Hektor, der sich niemals ganz ruhig verhalten konnte - und das eintönige Knirschen der Wagenräder waren die einzige Unterbrechung der abendlichen Stille. Langsam kroch weißer Dunst aus den Gräben, wehte in Schwaden über den Weg, wurde beim Höhersteigen vom Seewind erfasst und zerrissen. Diese Stille und Eintönigkeit hatten Johann nun wohl doch einnicken lassen. Sein Kopf war auf die Brust gesunken, wenn auch sein Körper die gewohnte Haltung des herrschaftlichen Kutschers beibehalten hatte. Der Wagen hatte fast die Hälfte des Moorweges zurückgelegt, als Hektor plötzlich von einem weißen Nebelschwaden, der direkt auf ihn zutrieb, mit scharfem Ruck ungestüm sich zur Seite riss. Johann, erschreckt auffahrend, nahm die Zügel etwas zu scharf, Da warf das aufgestörte Tier den Kopf hoch und war mit einem Sprung auf der schrägen Böschung des Weges, den Braunen mitsamt dem Wagen nach sich reißend. Johann, schon stehend, versuchte mit ganzer Kraft das Tier zu halten - er fühlte einen harten Stoß, dann flog er bereits durch die Luft. Der Wagen kippte hinter ihm um, hinein ins dicke Wasser. Als der Kutscher wieder zu sich kam, galt sein erster angstvoller Blick den beiden Pferden. Nicht weit von ihm und doch so weit, dass er sie nicht erreichen konnte, wälzten sich die Tiere im Schlamm. Der umstürzende Wagen hatte die beiden noch am Wegesrand Stehenden mit umgerissen, die Deichsel war gebrochen, sie lag quer über dem Rücken des wild um sich schlagenden Hektor. Johann lag wie versteinert auf dem Grashügel, auf welchen er gefallen war, die Augen starr auf das entsetzliche Bild vor ihm gerichtet. Kaum konnte er die Pferde erkennen, die durch das Wühlen und Schlagen einen Spritzregen von Schlamm und Wasser um sich verursachten. Wie gelähmt lag Johann, dann raffte er sich zusammen. Jetzt bemerkte er, dass sein halber Körper im Wasser lag. Automatisch zog er die Beine an, zog sich ganz auf den kleinen festen Grasfleck zusammen und hockte dort eine Zeit, ohne sich zu rühren. Dann kam er wieder zur Besinnung: Er musste zu seinen Tieren. Eilig kroch er aus seinem langen Kutschermantel, der ihn behinderte, sackte sich zurück in den Schlamm und versuchte mit einer Hand sich fest an seinen Grasplatz klammernd, mit dem anderen ausgestreckten Arm einen nächsten, festen Grasfleck zu entdecken. Vergebens - das Gras in welches er mit krallender Hand griff, hatte Wasser unter sich - kein festes Stückchen Erde in seine Nähe, kein fester Halt, an