Lyrik und Poesie
- Erzählungen -

Feier im Hof

Teil 5 - Feuer im Hof -



Teil 5 - Feuer
schon schmerzende Brandwunden davon getragen. Sie krümmte sich vor Schmerzen auf dem Boden, ihr alter Körper war keine harten Bewegungen mehr gewöhnt, aber mit einem Schrei fuhr sie wieder hoch, sie hörte drüben vom Hause die Axtschläge des rasenden Knechtes. Mit letzter Kraft schleppte sie einen Stuhl an Bett, er fing sofort Feuer, dann warf sie noch ein paar alte Zeitungen in die Flammen, dann war es zu Ende mit ihrer Kraft. Mit ihren toten Füßen schleifte sie sich vom Feuer hinweg bis zum Fenster, dort blieb sie erschöpft liegen. Aber trotz aller Schwäche und aller tausend Schmerzen, die in ihrem gebrechlichen Körper tobte - ihre wachen Augen gingen mit dem Feuer, begleiteten die Flammen auf ihrem schnellen Weg. Schon brannte die Tapete an der Bettseite, schon wirbelten die brennenden Bettfedern durch das Zimmer und steckten ringsum alles in Brand, da fiel es Kathrin noch ein, dass sie die Türe öffnen wollte, um dem Feuer besseren Zug zu geben. Mit unsäglicher Mühe in bereits glimmenden Kleidern rutschte sie über die brennenden Dielen, gelangte wie durch ein Wunder zur Tür und stieß sie auf. Sie sah noch, dass mit dem frischen Luftzug die Flammen empor rasten, die dünne Stubendecke ergriffen und durch diese hindurch zum Strohdach emporschlugen. Mit einem Seufzer der tiefsten, glücklichsten Befriedigung sank die alte Kathrin in sich zusammen. Grete stand noch am Fenster, als hinter ihr an der Tür die ersten Axtschläge ertönten. Aufschreiend stürzte sie zurück ins Zimmer, die entsetzten Augen in grenzenloser Angst auf die Tür gerichtet; lieber Gott, lieber Gott, gab es denn keine Hilfe? Warum wollte der Knecht sie totmachen? Sie hatte ihm doch nichts getan? Ihre Augen irrten durchs Zimmer, sie schob zitternd noch Stühle vor den Schrenk, um dann wieder ans Fenster zu stürzen. Wo war nur Kathrin? Das Fenster drüben war leer. "Kathrin", schrie das Mädchen gellend, "Kathrin", aber keine Antwort kam. Nun drang ein dumpfes Poltern aus Kathrins offenem Fenster, Grete glaubte einen Lichtschein wahrzunehmen. Hinter sich hörte sie das Splittern an der schweren Holztür, sie wandte sich um - noch gab die Tür nicht nach. Plötzlich schrie sie laut auf: Aus Kathrins Fenster kam ein schwarzer, dicker Rauch mit tanzenden, feurigen Funken dazwischen, dann schoss eine spitze Flamme aus dem Strohdach empor, die sich mit rasender Schnelligkeit über das ausgetrocknete Dach verbreitete. Im Umsehen stand der ganze Dachstuhl in hellen Flammen, ein wildes Prasseln und Zischen erfüllte den Hof, das Feuer schlug in mächtig lodernden Flammen gen Himmel, ein weithin sichtbares Zeichen der Not! Der rasende Knecht hieb weiter blindwütig auf die Tür los, er hörte das Mädchen im Zimmer schreien, - "das Mädel, ha, das Mädel, die sollte schon stille werden." - Ein leichter Brandgeruch drang ihm entgegen, als er den ersten klaffenden Riss in das Holz geschlagen hatte, aber er achtete nicht darauf. "Verdammt, da war noch ein Schrank davor gestellt", Wut kochte in ihm hoch, rot stieg es ihm in die Augen. Nun hörte er des Mädchens Schreien aus dem Fenster: "Feuer, Feuer", aber das spornte seine rohe Gier nur noch mehr an: "Ja, Feuer, - Feuer in seinen Adern, Feuer, das raste umher, das tobte gegen seine Schläfen, das zuckte in seinen Händen! Feuer, Feuer, das musste gelöscht werden, ehe ließ er nicht nach; das Mädel musste her, das Mädel war hübsch, das Mädel war jung; er ließ nicht nach, nein, er ließ nicht nach." Mit roher Kraft schlug er Holz auf Holz aus der Tür, schon splitterte der Schrank; er zwang sich durch die Lücke und schlug von innen die Schranktür auf. Als er ins Zimmer stürzte, sprang das Mädchen aus dem Fenster. Grete fiel gerade ihrem Vater vor die Füße, der in diesem Augenblick mit Knechten vom Felde herangerast kam, auch von den Nachbarhöfen kamen die ersten Wagen angebraust, der Hof war plötzlich erfüllt von schreienden, aufgeregten Menschen. Der Bauer kniete entsetzt bei seinem Kind und hörte ihre schluchzende Erzählung, dann hob er sie mit ihrem gebrochenen Bein vorsichtig auf und übergab sie der eben heranstürzenden Mutter. Im Nu waren die Leute alarmiert; währen ein Teil beim Löschen des brennenden Hauses verblieb, durchsuchten die anderen das Wohnhaus nach dem Mörder. Man fand ihn in der Bodenkammer versteckt und die Männer richteten ihn derart zu, dass er halbtot der Gendarmerie übergeben wurde. Die alte Kathrin aber, deren völlig verkohlte Leiche man unter den Trümmern des zusammengestürzten Hauses fand, wurde mit allen Ehren und aufrichtiger Liebe auf dem kleinen benachbarten Kirchhof in die erde gesenkt; die Bauernschaft der ganzen Umgegend nahm Teil an der Beerdigung. Flüsternd ging ihre Heldentat von Mund zu Mund, die Frauen schluchzten in ihre Tücher hinein und die Bauern standen mit ehrfurchtsvollen Gesichtern an dem Blumen beladenen Sarg, der so viel Liebe, Mut und Selbstaufopferung in sich schloss.
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