Lyrik und Poesie
- Erzählungen -

Feier im Hof

Eine Erzählung

- Feuer im Hof -

Feuer
Die alte Kathrin saß still auf ihrem Sessel am Fenster und blickte mit schläfrigen Augen auf den stillen Hof hinab. Sommerhitze lag über dem Oderbruch, Mittagstille stand über dem Bauerngehöft. Kein Laut war zu hören, die Hühner saßen matt im Schatten der beiden Kastanien vor dem Wohnhaus, das Kathrins Behausung gegenüber lag, ab und zu klirrte eine Kuh an ihrer Kette oder das wohlige Grunzen eines satten Schweins drang aus dem Stall. Die Tauben, die neben Kathrins Stube auf dem Boden ihren Verschlag hatten, gurrten leise im Schlaf; die dicken Fliegen selbst über dem Misthaufen neben dem Kuhstall tanzten einen schweren müden Reigen in der glühenden Sonne. Sonst kein Laut. Der Bauer war mit seinen Leuten bei der Ernte weitab vom Hof, soeben waren die Bäuerin und die Kleinmagd mit dem Mittagessen für die Leute vom Hof gefahren. Kathrin hatte ihren geleerten Mittagteller neben sich stehen - starken, kalten Kaffee und Brot hatte die Bäuerin auf den kleinen Tisch vor sie hingestellt, sie war bis zum Abend versorgt -. Das alte Weiblein wohnte seit Jahren hier oben in der kleinen Stube unter dem Strohdach, sie war schon beim Vater des jetzigen Bauern bedienstet gewesen, hatte den jungen Bauern auf den Armen getragen und dessen einzige Tochter Grete in diesen letzten Jahren treu behütet. Seitdem aber bei einem Sturz der Heuwagen über ihre Füße gerollt war und die alten Knochen nicht so recht zusammenwachsen wollten, war sie lahm und auf Hilfe angewiesen. Der Bauer hatte ihr hier oben eine gemütliche Stube eingerichtet, die Bäuerin sorgte gut für ihr leibliches Wohl und die Gretel brachte Sonnenschein und Liebe in ihre alten tage. So konnte Kathrin es hier gut aushalten, vormittags wurde sie vom Bett auf ihren bequemen Sessel ans Fenster gesetzt, abends trug der Bauer sie wieder zurück. Die kleine Wohnung unter Kathrins Stube stand zur Zeit leer, dort hatte bis vor wenigen Tagen eine Arbeiterfamilie gewohnt, die fortgezogen war; in einer Woche ungefähr sollte die Wohnung von einer neuen Familie besetzt werden. "Ja, die Leutefrage hier im Oderbruch", dachte Kathrin vor sich hin, "keiner hält lange aus. "Die Einsamkeit", klagten sie, die Gehöfte lagen weit voneinander, das nächste, größere Dorf mit Tanz und Kino war weit. Die jungen Leute wollten sich amüsieren und im Oderbruch gab es mehr Arbeit als Amüsement, was den meisten nicht passte." Kathrin stieß das Fenster auf, hier drinnen war es auch zu heiß, wenn das Strohdach auch sonst immer Kühlung gab. Irgendein Druck lag auf ihr, machte ihr Kopf und Herz schwer; sie musste frische Luft haben, musste zumindest eine Luftbewegung um sich spüren, eine Verbindung mit dem stillen Hof herstellen. Sie fühlte sich irgendwie seltsam beklommen und vereinsamt. Ein schlechter Traum hatte sie die Nacht gequält, ihr die beschauliche Ruhe geraubt, noch im schreckhaften Erwachen in der Frühdämmerung hatte sie Gretels angstverzerrtes Gesicht inmitten eines großen Feuers gesehen. Kathrin sah das Bild deutlich vor sich: Die Grete hatte eine wahnsinnige Angst im Gesicht, sie öffnete den Mund um