Lyrik und Poesie
- Erzählungen -

Feier im Hof

Teil 2 - Feuer im Hof -



Teil 2 - Feuer
zu schreien - da kamen die Flammen um ihren braunen Kopf, aber sie verbrannten sie nicht. "Sonderbar", dachte die alte Kathrin, das Feuer hat die Gretel nicht berührt. Es hatte ganz hell und groß um sie gestanden, ihr junges Gesicht in seiner Angst hell erleuchtend, wirklich sonderbar. Kathrin wiegte den alten Kopf hin und her, döste vor sich hin, die Augen halbgeschlossen, wanderten ihre Gedanken gemächlich weiter. "Die Gretel sollte ja erst morgen aus der Stadt kommen, wo sie eine gute Schule besuchte; jeden Sonnabend kam das Kind, um über Sonntag bei den Eltern zu sein. Am Montag in der Frühe ging es wieder zurück zur Stadt. Wie alt mochte das Mädchen sein? , sinnierte Kathrin weiter, 12 oder 13 Jahre war sie wohl, ein liebes Ding mit seinen hellen Augen und dicken, braunen Zöpfen, immer freundlich und lieb, das ganze Glück ihrer Eltern, der Sonnenschein im ganzen Hof." Die Alte war wohl doch ein bisschen eingenickt, als leise Schritte auf dem Hof sie aufstörten. Was hatte der schwarzhaarige Knecht jetzt im Hof zu schaffen? Kathrin lugte misstrauisch hinunter nach dem Mann, sie konnte ihn nicht leiden, ein großes Unbehagen überfiel sie bei seinem Anblick. Der Knecht war noch nicht lange beim Bauern, war fleißig und anstellig, aber irgend etwas stimmte wohl nicht ganz mit ihm. Kathrin hatte einmal gesehen, wie er zusammengezuckt war, als der Landgendarm mit dem Bauern im Hof gestanden hatte, er war sofort in den Stall zurückgetreten, um nicht gesehen zu werden und Kathrin hatte von ihrem Fenster aus bemerkt, wie er sich dicht an die Stalltür gedrückt hatte um zu horchen, was wohl die beiden Männer zu besprechen hatten. Kathrin hatte auch dem Bauern gesagt, dass der neue Knecht es gewesen war, der dem braunen Harras, dem besten Pferd im Stall, frischen Klee zu füttern gegeben hatte, so dass es eine schwere Kolik durchzumachen hatte. Der Bauer wollte den Mann auch nicht lange behalten, sie mussten nur erst die Ernte hereinhaben, dann mochte der schwarze Polack weiterziehen. Kathrin blickte gespannt hinunter, der Mensch ging vorsichtig in den Stall, kam mit einem kleinen Gegenstand in der Hand wieder heraus, eine Weile verharrte er mitten auf dem Hof, dann ging er auf das verschlossene Wohnhaus. Die Alte rührte sich nicht, saß regungslos auf ihrem Platz; der infame Kerl schloss jetzt mit einem Dietrich die Haustür auf und ging in die Wohnung. Sie sah durch das breite Fenster, dass er an das Buffet im Esszimmer herantrat und darin herumstöberte, dann sah sie ihn im Zimmer des Bauern an dessen Schreibtisch am Fenster. Kathrin saß regungslos, was konnte sie tun? Wenn sie um Hilfe schrie, würde der Kerl zu ihr heraufkommen und ihr den Garaus machen, aber vor allen Dingen würde niemand ihr Rufen hören. Der Bauer mit den Seinen war weit ab, die Nachbarhöfe für ihre lahmen Füße unerreichbar. Da, Kathrin zuckte zusammen, ein Klingeln auf der Landstraße und schon bog der Briefträger auf seinem Rad in das Gehöft ein. Ehe die verstörte Kathrin sich aufraffen konnte ihn zu warnen, war er schon ahnungslos in die offene Haustür