Lyrik und Poesie
- Geschichten und Erzählungen -

Das Bernsteinkind

Teil 7 - Das Bernsteinkind -

Teil 7 - Bernstein
Einen Augenblick schien sie zu erstarren, ihre Augen wurden grau vor Schreck und Erstaunen. Dann begannen sie grün zu schillern wie das Meer in der Sonne.

Ein furchtbares Krachen schlug an die Hütte. Es spritzte und klatschte, es brüllte und tobte.
Die Hütte brach. Mit Krachen schlug die Tür auf.
Da schlang das Mädchen seine blassen Arme um den Knaben und küsste ihn auf den Mund.
So standen die beiden Kinder eng umschlungen und schauten dem Meer entgegen.

Der Strand war zum Meer geworden. Bis an die Dünen hinan spritzte und schäumte und gurgelte es. Ein kochender Kessel mit Zischen und Brausen, und darüber Wolken und Wolken, vom Sturm gejagt.

Und dann klang es plötzlich wie helles Wiehern durch das Toben, und stampfen klang auf und aus dem Meer hoben sich zwei Köpfe und zwei schneeweiße Rosse stampften durch das rasende Wasser über den Strand und standen schnaubend still vor den Kindern. Ihre Augen waren gold wie Bernstein, ihr Zaumzeug aus schimmernden Perlenketten.

Mit einem Lachen des Glücks schwang sich das Meerkind auf einen der Schimmel, den anderen zu besteigen winkte sie dem Knaben zu. Hellauf wieherten die Meeresrosse, hellauf jauchzte das Mädchen, und ihr Lachen blieb im Herzen des Knaben stehen wie die Seligkeit.

Seite an Seite jagten die Rosse über den Strand zurück, Hand in Hand die beiden Kinder auf ihnen. Das Meer öffnete weit seine Arme und zog sie an sein liebendes Herz. Die Wellen wirbelten vor Freude und tanzten, dass die Gischt zum Himmel spritzte. Und der Sturmwind, der alles sieht zwischen Himmel und Erde, sang sein gewaltiges Lied von Schuld und Sühne.

So war der Fischer gestraft sein Leben lang. Denn: Aug' um Auge, Zahn um Zahn - so will es das Gesetz der Erde. Amen! -

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