Lyrik und Poesie
- Humorvolle Sagen -

Sagen humorvoll aufbereitet

Humorvolle Sagen - Herakles

- Geschrieben von Dr. Trutzhart Irle und Ludwig Uhland-

Herakles-Sage

Zeus, der bekanntlich selten treu,
stieg mit Alkmene einst ins Heu
und zeugte, frei von jedem Streß,
mit ihr den kleinen Herakles.

Dann rief er fröhlich: "Bona sera,
ich gehe jetzt zur Burgfrau Hera;
die schlägt mich sicher in die Flucht,
weil sie gefüllt mit Eifersucht."

Alkmene, die als Frau vom Fache
befürchtete nun Heras Rache,
gebahr den Knaben noch zu Haus
und setzte ihn dann draußen aus.

Doch Zeus ließ alles so gelingen,
daß grade dort spazieren gingen
die Burgfraun Hera und Athene,
allwo der Säugling lag, und jene
empfahl der Hera nunmehr eben,
dem Kleinen ihre Brust zu geben.

Der aber war bereits sehr kräftig
und saugte nun dermaßen heftig,
daß sie, nicht wissend wie er hieß,
ihn gar zu Boden fallen ließ.

Athene aber hob ihn auf
und rannte dann im schnellen Lauf
just zu der Königin Alkmene,
das sie des Knaben an sich nehme.
Bis dahin wußte niemand gar,
daß er ja deren Söhnchen war.

Doch als dies bald darauf publik,
griff Hera ein in sein Geschick
und sandte gleich zwei dicke Schlangen,
die in des Knaben Bettchen drangen,
um ihm den Gar dort auszumachen.

Doch fand der Kleine dies zum Lachen,
ergriff die Schlangen wie Karnickel
mit beiden Händen schnell am Wickel
und seht, man ahnte dies bereits,
erwürgte sie nun ihrerseits.

Alkmenes Mann Amphitryon
zog auf ihn wie den eignen Sohn;
ließ ihn, zu ehren der Geschichten,
in vielen Dingen unterrichten.
Bald übetraf er weit und breit
an Kräften und Geschicklichkeit
jedweden in den Griechengauen
und konnte alle leicht verhauen.

Zum Scheidewege kam indes
bald der besagte Herakles
und da er gar nicht liederlich,
entschied er für die Tugend sich.

Von Ungeheuern oder Räubern
beschloß er nun das Land zu säubern.
Zeus aber prüfte sein Geschick,
und bald schon kam es knüppeldick.
Doch wilde Löwen und Giganten
erschlug er mit der Hände Kanten.

Doch nicht genug, denn Papa Zeus
befahl, dem Wort des Eurystheus
zu folgen, der ja damals gar
noch König von Mykene war.

Der hat dem Herakles geraten
zu den diversen Heldentaten.
Natürlich, um auf dieser Erden
den Konkurrenten loszuwerden.

Nemeisch war der wilde Leu,
der unentwegt und ohne Scheu
in der gesamten Argolis
die Lebewesen fraß und biß.
Da er noch obendrein sogar
durch Pfeile unverletzlich war,
erschlug der Held ihn mit der Keule
und warf das Fell, am Kopf mit Beule,
ganz lässig auf die Schulter sich,
was man schon kennt aus Bild und Stich.

Von allen gräßlichen Geschöpfen
galt es, die Hydra mit neun Köpfen
nunmehro aus der Welt zu schaffen,
was schwierig mit normalen Waffen.
Es galt, nicht lange rumzudrucksen,
weil schnell ihr neue Köpfe wuchsen.
Er köpfte sie mit flinker Hand,
hat dann die Stümpfe ausgebrannt
und Pfeile in das Blut getaucht,
sobald das Untier ausgehaucht.

Nun hieß das nächste Abverlangen,
er möge einen Hirschen fangen
von edlem Wuchs, mit mächtig langen,
der Artemis geweihten Stangen
aus purem Gold, auch solchen Hufen.
Dies kam dem Helden wie gerufen.

Das gleiche galt dem starken Heber
auch für den erymanthschen Eber,
der überall im Land Arkadien
verantwortlich für große Schadien.

Nun zählte zu Eurystheus Listen,
dem Augias den Stall zu misten,
den 1000 Rinder, meist im Takt,
seit vielen Jahren vollgekackt.
Doch Herakles ließ sich nicht lumpen,
und statt die Jauche abzupumpen,
schlug unser Held alsbald behende
nun Löcher in des Viehstalls Wände,
durch die er Bäche strömen hieß,
was jeden Mist verschwinden ließ.

Auch hat er keineswegs gemieden
die Jagd auf jene Stymphaliden
mit Eisenflügeln,-schnäbeln,-klauen,
denn diesen konnte man nicht trauen,
weil sie auf menschliche Genossen
mit ihrem Stahlgefieder schossen.

Auf Kreta ging er nicht in Kinos,
er fing vielmehr den Stier des Minos.
Dann zog er weiter, meist per pedes,
fing Stuten ein des Diomedes,
die wild und stark ganz ohne Maßen
und Fremde gern zum Frühstück fraßen.

Nun zog er zu den Amazonen,
die fern am Schwarzen Meere wohnen
und holte dort nach alten Mythen
das Wehrgehenk der Hippolythen.

Bald sollte Herakles es frommen,
dem Geryones beizukommen,
der eins der schrecklichsten Geschöpfe.
Drei Leiber hatte er und Köpfe.

Nun, von des Herakles Geschichten
gäb es noch vieles zu berichten,
denn eh er endlich ging nach Haus
trickst er den Riesen Atlas aus,
der deshalb wieder mit Verdruß
den Himmel selber tragen muß.

Die Äpfel gar der Hesperiden
zu holen hat er nicht vermieden,
stieg schließlich in der Erde Schlund
und schnappte sich den Höllenhund.

Doch schließlich fing er an, zu spinnen.
Er war zuweilen ganz von Sinnen,
so daß er Freunde und Verwandte
als Ungeheuer nur erkannte,
worauf er nach so manchem Sieg
auf einen Scheiterhaufen stieg.
Als er so schließlich umgekommen,
ward im Olymp er aufgenommen.

(Trutzhart Irle)


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