Lyrik und Poesie
- Hochzeit -

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Hochzeitsgedicht - Zum Feste

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Zum Hochzeitsfeste

Hier, unterm Blick prophetischer Sterne,
weih ich dies Hochzeitsfest voraus:
Tief schaut die Muse in die Ferne
des bläulichen Geschicks hinaus.

Wie golden wirkt die neue Schwelle
des lebens jedem jungen Paar!
Doch weiß man, dass nicht stets so helle
der Mittag wie der Morgen war.

Heut aber seh ich schöne Tage
blühn in gedrängter Sternensaat,
entschieden liegt schon auf der Waage,
was dies Paar vom Schicksal bat.

Hast, Liebchen, du der Jugend Blüte,
Anmut und Liebenswürdigkeit,
all deines Herzens laut're Güte
kühn deinen Einzigen geweiht;
lässt du der Heimat Friedensauen,
so manche ein lang gewohntes Glück,
um dir den eigenen Herd zu bauen,
halb wehmutsvoll, halb froh zurück:

Getrost! So darf ich laut es zeugen,
ein würdig Herz hast du gewählt;
selbst böser Neid bekennt mein Schweigen,
dass nichts zu deinem Glücke fehlt.

Denn Heiterkeit und holde Sitte,
wie Sommerluft, durchehn dein Haus
und, goldbeschuht, mit leisem Tritte
gehn Segensengel ein und aus.

(Eduard Mörike)

 

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