Lyrik und Poesie
- Hochzeit -

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Hochzeitslyrik - Weiber und Männer

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Weiber sind nicht ohne Fehler/ Männer auch nicht

Ein Weib sei, wie es immer sei,
so wird ihr doch was fehlen:
Die Schöne, die ist selten treu,
die Gärstige mag quälen,
Die Kluge kommandiert zu viel,
Die Dumme treibt nur Narrenspiel;
die Junge bringt Galans ins Haus,
der Alten stinkt's zum Halse raus;
die Reiche lässt dir's Geld nicht frei,
Ein Weib sei, wie es immer sei,
so wird ihr etwas fehlen.

... die Männer auch nicht

Ein Mann sei, wie er immer sei,
so wird ihm doch was fehlen:
Der Säufer legt das Geld nicht bei,
er jagt es durch die Kehlen;
der Junge ist liederlicher Art
und nascht gern auf den Seiten;
der Alte ist ein Nösselbart
und kann wohl nicht zu Zeiten.
Der Geiz des Reichen leidet Not
bei seinem vollen Kasten;
der Arme lässt bei schwarzem Brot
das arme Weiblein fasten.
Der Krieger ist kein Kurtisan
und macht es nicht fein sachte;
den Keuschen kommt's nicht allzeit an;
den Wilden alle Nachte.
Der Hochgelehrte ist erpicht
allein auf seine Bücher;
der Ignorant taugt folgends nicht
und ist noch wunderlicher.
Mit kurzem: Es bleibt wohl dabei
und ist nicht zu verhehlen;
ein Mann sei, wie er immer sei,
so wird ihm doch was fehlen.

(Hofmann von Hoffmannswaldau)

 

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