Lyrik und Poesie
- Erzählungen -

Feier im Hof

Teil 4 - Kinder in Not -

Teil 4 - Spielende Kinder
Fritzens legend, flüsterte er: "Fritz, Mensch, das werd' ich dir nie vergessen, ich bin jetzt dein Freund, hörst du! ?" Fritzchen schoss ein heißes Glück ins Herz, er wurde ganz rot vor Freude und Stolz; er drückte Bernhards große Tatze zwischen seinen dünnen Fingern mit aller Inbrunst. Grumkow, sein Freund, ach, der starke breite Grumkow sein richtiger Freund, wie schön, oh wie schön! Nun hatte er doch jemanden der zu ihm gehörte, der für ihn da war! Sein kleines Herz machte lauter freudige Sprünge, ein großes Glücksgefühl nahm von ihm Besitz; nun konnte es nicht mehr schlimm werden mit dem Lehrer und dem Brief, nun würden Alle wieder gut sein. Als die Schule aus war, wanderten beide Knaben einträchtig nach Hause, Fräulein war zum Glück nicht vor der Schule. Am Nachmittag landete der kleine Fritz wie immer an seinem Fensterplatz im Erker, aber alles war anders als sonst. Er war nicht mehr der glücklose Beschauer des Lebens auf der Straße unter ihm, nein, heute riss es ihn mit; er saß auch nicht reglos auf der Sessellehne, er stand bald an dieser, bald an jener Seite des vielfenstrigen Erkers, er ging ins Zimmer, schaute auf die Uhr, blickte wieder auf die Straße, war von einer nie gekannten, glückhaften Ruhelosigkeit. Die Gedanken flatterten wie aufgescheuchte Vögel durch seinen kleinen Kopf; er entwarf Pläne, verwarf sie wieder, um wieder neue Entschlüsse zu fassen. So ging es eine ganze Weile, seine Ungeduld hatte wohl den Höhepunkt erreicht, als unten das Haustor ging. Fritz hätte fast die Fensterscheibe eingestoßen, so flog er mit dem Gesicht dagegen, dann erblockte er auch schon Bernhard Grumkow, der gemächlichen Schrittes die Straße entlang trottete. Nun auf Zehenspitzen durchs Zimmer, leise die Tür aufgeklinkt, dann durch den Flur, Mantel und Mütze vom Riegel genommen und schon hatte er leise die Etagentür hinter sich ins Schloss gedrückt. Gott sein Dank, draußen war er, das hatte geklappt, ein befreiter Atemzug hob seine schmale Brust. Indem er den Mantel überzog, huschte er vorsichtig die Treppe hinunter, stand auf der Straße und sah gerade noch Bernhard um eine entfernte Ecke biegen. In der dritten Straße erst holte er seinen Freund ein, hängte sich dem Erstaunten in den Arm und konnte vor Pusten und Keuchen von dem schnellen Lauf vorerst nichts sprechen. Bernhard guckte ihn von der Seite an, sagte aber nichts. Endlich sprudelte Fritzchen los, erzählte von seiner Flucht, sagte was er sich ausgedacht hatte, dass er fort wolle, dass Grumkow, sein Freund mit ihm kommen müsse, dass sie nach Amerika wollten, als Schiffsjunge oder als Cowboy oder als Plantagenbesitzer, aber Hauptsache: Erst einmal weg sein von hier. Fritz redete sich in Eifer, fuchtelte mit den Händen durch die Luft, riss die Mütze vom Kopf, setzte sie wieder auf; schnäuzte sich, verlor beim Einstecken das Taschentuch, war vollständig aufgelöst in Reisefieber und Enthusiasmus. Grumkow hatte die Hände nicht aus den Taschen genommen, er schaute ruhig und gelassen vor sich hin und sagte nur ein einfaches "Quatsch", als Fritz ungefähr am Ende seiner aufgeregten Rede angelangt war. Fritz schaute ihn betroffen an, dann aber fuhr er los: "Quatsch? Gar kein Quatsch, Grumkow, du weißt nur nicht weshalb