Lyrik und Poesie
- Ein wahres Erlebnis -

Das Kätzchen

Teil 2 - Das Kätzchen -

Teil 2 - Die Königin
Die Mutter blickte auf die beiden, gesenkten Kinderköpfe, ihre Hand zitterte etwas in dem Strumpf, der darüber gezogen war und ein Tröpfchen Traurigkeit fiel in das sonst so mutige Herz. Ja, die Beiden und ihr Kätzchen, täglich spielen sie zusammen, die ganze Wonne der Kinder. Und wie lange wird es dauern, ein halbes Jahr vielleicht noch, dann ist das liebe kleine Tier eine große graue Katze, die überall da ist, wo sie nicht sein soll, die sich nachts herumtreibt und zweimal im Jahr Junge wirft. Die schreienden Kater umstreichen das Haus zu jeder Tages- und Nachtzeit und das schrecklichste wird sein, dass man diese kleinen hilflosen und erbarmungswürdigen Jungen ersäufen muss. Nein, furchtbar: Ein alter Sack, ein schwerer Stein und 6 oder 7 lebendige Kätzchen - damit zum Teich und hinein. Pfui, oh pfui, wie hässlich und herzlos. Und doch unausbleiblich, denn man kann nicht jedes Jahr eine junge Katzenschar aufziehen, dass hieße ja eine Katzenfarm zu gründen. Ach, dann liegen die Jungen im Teich und die Katzenmutter läuft miauend und suchen durch den Stall, Hof und Haus - furchtbar - eine Mutter, die nach ihren Kindern bangt und die ab dann das einzige Junge, das man ihr gelassen hat, aus Angst vor den unbarmherzigen Menschen im hintersten Winkel des Bodens versteckt. Das Kätzchen, ja - aber jedes Jahr einen Sack zum Teich bringen - nein, nein -. Die Frau hielt inne mit den quälenden Gedanken, auch die fleißigen Hände mussten sich eine kurze Pause gönnen, ach, und der Kopf schmerzte schon von dem vielen Grübeln.

"Mutti, hatte denn das Zwergenmännchen wirklich so einen langen Bart, dass er zu beiden Seiten nachschleifen musste?" Zwei große braune Kinderaugen sahen der Mutter mit grübelndem Ernst ins Gesicht. "Ja, mein kleiner Liebling", du musst dir denken, der lange weiße Bart war die Schleppe für das Männchen, denn er war doch der König im Zwergenland und diese Schleppe von seinem Bart mussten sechs kleine, kleine Zwergenkinderchen tragen, weiß du die Geschichte nicht mehr?" Ja, nun wusste er sie wieder und der blonde Haarschopf beugte sich weiter über das nächste Bild.

Die erste, süßeste Jugend der Kinder sind in zwei Bildern von Künstlerhand gemalt, festgehalten. Davor kann man stehen, wenn sie erwachsene Menschen geworden sind und erinnernd sich freuen, wie sie Mutter- und Vaterhand nicht entbehren konnten und man in ihr Herz hineinsehen konnte wie in ein klares Wasser. Und man wird an das Kätzchen denken, das so niedlich war und so spielerisch und das nachher so eine alte schreckliche Katze geworden war, deren Junge ersäuft wurden, heimlich, dass die Kinder es nicht merkten. Nein, furchtbar, das ist ja gar nicht möglich! Diesem Katzenschicksal muss irgendwie vorgebeugt werden! - Eine seltsame Idee! - Nein -. Aber um den Kindern das Kätzchen zu erhalten in all seiner Niedlichkeit, so die Erinnerung tatsächlich lebendig erhalten - den hellgrauen, flaumigen Pelz, die weißen Pfötchen, den lustigen kleinen Kopf - man müsste es jetzt töten! - Auf irgendeine Weise - nein, nicht ertränken - vielleicht erschießen oder vergiften! Es ausstopfen lassen, ins Zimmer stellen, man kann immer noch einmal das weiche Fellchen berühren, die kurzen hellen Ohren - es muss so hingestellt werden, als wenn es spielt, die Vorderpfötchen erhoben an einem bunten Ball oder einem kleinen Ast --, oder es könnte auf dem Rücken liegen mit