Die
Brautnacht
Es
hat geflammt die ganze Nacht
Am hohen Himmelsbogen,
Wie eines Feuerspieles Pracht
Hat
es die Luft durchflogen. Und nieder sank es tief und schwer
Mit ahnungsvoller Schwüle,
Ein dumpfes Rollen zog daher
Und
sprach von ferner Kühle. Da fielen Tropfen warm und mild,
Wie lang erstickte Tränen;
Die Erde trank, doch ungestillt
Blieb
noch ihr heißes Sehnen. Und sieh, der Morgen steigt
empor
Welch Wunder ist geschehen?
In ihrem vollen Blütenflor
Seh
ich die Erde stehen. O Wunder, wer hat das vollbracht?
Der Knospen spröde Hülle
Wer brach sie auf in einer Nacht
Zu
solcher Liebesfülle? O still, o still, und merket doch
Der Blüten scheues Bangen!
Ein roter Schauer zittert noch
Um
ihre frischen Wangen. O still, und fragt den Bräutigam,
Den Lenz, den kühnen Freier,
Der diese Nacht zur Erde kam,
Nach ihrer Hochzeitfeier.
(Wilhelm
Müller)
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