Drei
Bitten
Drei
Bitten hab ich für des Himmels Ohr,
die send ich täglich früh und spät empor:
Zum ersten, daß der Liebe reiner Born
mir nicht versieg in Ungeduld und Zorn;
zum zweiten, daß mir, was ich auch vernahm,
ein Echo weck, ein Lied in Lust und Gram;
zum dritten, wenn das letzte Lied verhallt
und wenn der Quell der Liebe leiser wallt,
daß dann der Tod mich schnell mit sanfter Hand
hinüberführ in jenes bessre Land,
wo ewig ungetrübt die Liebe quillt,
und wo das Lied als einzge Sprache gilt.
(Emanuel
Geibel, 1815 - 1884)
Zur
Übersicht: Allgemeine Gedichte